Warum Schieden?

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2 Jahre 6 Monate her #451 von Nikkiklaus
Nikkiklaus antwortete auf Warum Schieden?
Hallo Rene,

Rene schrieb: Bei Wagner werden jetzt Schiede "aus expandierbarem Polystyrol mit hoher Dichte" angeboten.
Hat jemand diese mal in den Händen gehabt?

Ja. Ich.
Kann man leicht selber basteln. Eine Vierkantleiste, ein Stück Isolierung, 3-4 Schrauben, wer mag auch etwas Klebstoff.
Funktioniert, geht aber auch beliebig komplizierter.

LG

Arne


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2 Jahre 2 Monate her #1041 von Alois
Alois antwortete auf Warum Schieden?
Hallo, lacht jetzt nicht. Ich beschäftige mich nach 30 Imkerjahren jetzt mit schieden. Ich lese immer "im frühen Frühjahr das/die Schied/e setzen". Soweit komme ich auch mit. Fand ich dieses Jahr auch wirkungsvoll.
Meine Frage ist: aber wann nehme ich die Schiede raus?
Alois

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2 Jahre 2 Monate her #1042 von Nikkiklaus
Nikkiklaus antwortete auf Warum Schieden?
Hallo Alois,

ich nehme die Schiede eigentlich nie raus. Das Nest wächst, das Nest schrumpft, das Schied wandert immer mit.
Jetzt kommen langsam wieder mehr Waben rein, ich mache meine 12 DD-Kisten aber nie ganz voll (meist halte ich bei 10 Waben auf, das ist für die Bienen mehr als ausreichend und ich finde das praktisch so den Schieberaum auch im kommenden Winter/Frühjahr zu haben).
Bei den 10er Kisten (eigentlich Langstroth Flachzargen, ich nutze die aber mit DD-Rähmchen) bleibt das Schied als Abschluss, da die letzte Wabe sonst als einseitige Dickwabe ausgeführt wird - das finde ich lästig.

LG

Arne


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2 Jahre 2 Monate her #1043 von Almut Aalbek
Almut Aalbek antwortete auf Warum Schieden?
Hallo Rene,
ich war heuer zu einem Seminar bei Imkertechnik Wagner und habe diese Schiede in der Hand gehabt. Sie sind erstaunlich schwer und die Oberfläche ist recht glatt. Herr Wagner sagt, sie seien 'gegossen' (was das genau bedeutet, weiß ich leider nicht) und würden von den Bienen zwar belaufen, aber nicht angeknabbert.
LG Almut
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2 Jahre 2 Monate her #1073 von Jürgen Binder

Nikkiklaus schrieb: Hallo zusammen,

in einem anderen Thread kann indirekt die Frage nach dem Sinn und Zweck des Schiedens auf. Anbei mal ein paar Gedanken als Anstoß zur weiteren Diskussionen.

Spontan sind mir vier verschiedene Schiede in der Imkerei bekannt. Das "normale" Holzschied, das Thermoschied, das Absperrschied und das Strohschied.

- das "normale" Schied ist ein einfaches Holzbrett in den Abmessungen eines Rähmchens. Es hat keine Isolationswirkung und kann von den Bienen unten, oben, und seitlich umlaufen werden. Man kann also sagen, auf die Bienen wirkt es im Prinzip nicht/kaum. Für die Königin signalisiert es aber das Ende des Brutnestes!

- das Thermoschied hat auch die Abmessungen eines Rähmchens, durch die Isolationswirkung kann es aber einen Einfluss auf die Bienentraube haben - muss es aber nicht, denn es kann ja auch umlaufen werden. Auch hier ist für die Königin (in der Regel) das Nest zuende.

- das Absperrschied hat eher eine Randexistenz in z.B. Ablegerkästen, wo es in einer Zarge die Aufzucht z.B. mehrerer Jungvölker erlaubt. Es schließ sowohl Königin als auch Bienen von gewissen Teilen einer Beute aus. Es wird/wurde früher vor allem in Trogbeuten (im Warmbau stehend) genutzt, um das Brutnest in der Tiefe zu begrenzen. Die T120 ist so ein Beispiel. Auch die Abschlussscheiben in den heute unpopulären Hinterbehandlungsbeuten (Normbeute 52, aber auch Gerstung-Beute etc.) sind im Prinzip Absperrschiede.

- rel. unbekannt in D - dabei aber wohl mit das älteste Schied (?) - ist das Strohschied (oder auch weniger ökologisch Isolier-Trennschied). Bei unseren Nachbarnimkern in Polen, Ungarn, Russland etc. ist es in deren Beuten ein fester Bestandteil zur Optimierung des Wärmehaushaltes ihrer Bienen im Winter (in diesen Ländern wird noch viel in isolierten Trogbeuten geimkert). Auch die Mellifera-Einraumbeuten-Imker haben es wieder für sich entdeckt, da es im Gegensatz zum Absperrschied eine isolierende Wirkung hat und den im Winter unbesetzten Teil der Beute vor Kondenzfeuchtigkeit schützt.

Für unsere Zwecke sind aber meist nur die beiden ersteren Interessant.

Aber was kann ich mit einem Schied jetzt erreichen?

a) ich kann mit einem Abtrennschied Bienen aus gewissen Bereichen einer Beute raushalten.
b) ich kann die Legeleistung einer Königin auf ausgewählte Waben beschränken, den Arbeiterinnen aber den Zugang zu anderen/weiteren Bereich gewähren.
c) ich kann auf den Wärmehaushalt unserer Sonnenkinder (Zitat F. Gerstung) ggf. positiv einwirken und Unzulänglichkeiten unserer modernen Bienenkisten ausgleichen.

Aber warum das Ganze?

Beschränke ich die Legeleistung einer Königin auf einige Waben eines Nestes, kann ich die anderen Waben z.B. aussortieren; es hilft mir also bei der Wabenhygiene und beim Aussortieren zuckerhaltiger Futterwaben vor der Tracht, so dass nicht versehentlich Zuckersirup mit in den Honig kommt.
Ferner kann ich das Bienennest so beschränken, dass die Nestgröße in etwa der Legeleistung der Königin entspricht. Es bleibt also weniger Platz für Pollen und Honig. Das kann man dann so sehen, dass der Imker seinen Anteil Honid zu Lasten des Bienenvolkes steigert! Das ist eine Sichtweise. Man kann aber auch danach schauen, was so ein "enges" Brutnest für eine Wirkung auf die Bienen hat. Die holde Wissenschaft hat dabei die Beobachtungen der Imkerschaft bestätigt.

Das Schieden auf die Legeleistung der Königin ermöglicht es der Königin ihrem Legegang ungehindert nachzugehen. Weniger Störungen des Legeganges -> geringere Schwarmneigung.
Es vermessert die Versorungssituation der Brut mit Wärme und Futtersaft - in der Folge werden die Jungbienen langlebiger. Werden die Bienen langlebiger (sterben also nicht so früh), gibt es mehr Bienen im Stock (Legeleistung und Alter sind die beiden Hebel, mit denen die Populationsstärke ausgependelt wird) Mehr Bienen im Stock, damit mehr Sammlerinnen, desto mehr Honig ;-)
Es werden aufgrund der kurzen Wege im Nest auch weniger Bienen mit der Brutpflege beschäftigt (ohne die Pflegeleistung herabzusetzten, ganz im Gegenteil). Damit werden wieder Bienen frei, die z.B. beim Honigtrocknen oder beim Waben bauen mithelfen können.

Mit Wärmeschieden kann ich die fehlende Isolationswirkung der Außenwände vielen moderner Bienenwohnungen kompensieren, auch das entlastet wieder Bienen - und reduziert Pollenbretter am Nestrand.
Ich ermögliche es dem Bien ferner sich im frühen Frühjahr mit mehr Bienen der Brutpflege zu widmen, da weniger Bienen mit der Temperierung des (noch kleinen) Brutnestes benötigt nötig werden. So kann ich meinen Bienen einen Entwicklungsvorsprung ermöglichen, auf dass die Frühtracht überhaupt bzw. besser genutzt werden kann.

Die Schiede sind also ein Werkzeug des Imkers, mit dem er die Entwicklung des Biens in Maßen steuern kann. Wird dieses Werkzeug nicht, oder falsch eingesetzt, kommt es nicht zu oben beschriebenen Effekten - was aber nicht zwangsläufig schlimm ist. Haben meine Bienen keine Frühtracht im Flugfeld, bringt eine rasche Entwicklung zu Jahresbeginn nichts außer frühe Schwärme. Entnehme ich im Zuge einer Totalen Brutentnahme zur Varroa-Behandlung meinen Bienen standardmäßig alle alten Waben, braucht es keine Sortierfunktion im Frühjahr. Und kann ich meine Honigräume nicht versetzt über das angepasste Brutnest setzten, werden die Honigräume meist nur ungleichmäßig angenommen, so dass der mögliche Honigfluss ggf. auch geringer als möglich ausfällt.
Imkern ist aber KEINE Magazinimkerei, das muss man sich bewusst machen. Nicht dass Magazinimkerei schlecht wäre, imkern im angepassten Brutraum ist aber anders!

Zum Zeitpunkt: Schieden stört, wie jeder Eingriff des Imkers, unsere Bienen! Die Frage ist aber daher nur, wann störe ich am wenigsten bzw. am nachhaltigsten?
Die Altvorderen hielten frühes Stören für per se schlecht. Vor der Stachelbeerblüte solle man die Bienen nicht anrühren!
Aber was ist zur Stachelbeerblüte? Es läuft die Durchlenzung auf Hochtouren! Der Bien gibt nochmal richtig Gas, um in den nächsten Wochen die maximale Volksstärke des Bienenjahres zu erreichen. Eine minimale Anzahl Bienen pflegt jetzt eine maximale Anzahl Brut. Ergo - eine Störung jetzt streßt dem Bien maximal, fordert es doch eine maximale Kompensation des Stockklimas!
Dahingegen ist eine frühe Störung zwar klimatisch aufgrund der Temperaturen misslich (keine Frage), die Winterbienen sind aber noch rel. jung und unverbraucht von der Brutpflege. Auch gibt es noch kaum ein Brutnest Anfang Februar - eine Störung erfordert also kaum aufwändige Klimatisierung. Und danach wird bei Einsatz von Thermoschieden die Klimatisierung deutlich einfacher.

LG

Arne


Sehr guter Beitrag. Danke!

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