Warum Schieden?

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2 Jahre 8 Monate her #360 von Nikkiklaus
Warum Schieden? wurde erstellt von Nikkiklaus
Hallo zusammen,

in einem anderen Thread kann indirekt die Frage nach dem Sinn und Zweck des Schiedens auf. Anbei mal ein paar Gedanken als Anstoß zur weiteren Diskussionen.

Spontan sind mir vier verschiedene Schiede in der Imkerei bekannt. Das "normale" Holzschied, das Thermoschied, das Absperrschied und das Strohschied.

- das "normale" Schied ist ein einfaches Holzbrett in den Abmessungen eines Rähmchens. Es hat keine Isolationswirkung und kann von den Bienen unten, oben, und seitlich umlaufen werden. Man kann also sagen, auf die Bienen wirkt es im Prinzip nicht/kaum. Für die Königin signalisiert es aber das Ende des Brutnestes!

- das Thermoschied hat auch die Abmessungen eines Rähmchens, durch die Isolationswirkung kann es aber einen Einfluss auf die Bienentraube haben - muss es aber nicht, denn es kann ja auch umlaufen werden. Auch hier ist für die Königin (in der Regel) das Nest zuende.

- das Absperrschied hat eher eine Randexistenz in z.B. Ablegerkästen, wo es in einer Zarge die Aufzucht z.B. mehrerer Jungvölker erlaubt. Es schließ sowohl Königin als auch Bienen von gewissen Teilen einer Beute aus. Es wird/wurde früher vor allem in Trogbeuten (im Warmbau stehend) genutzt, um das Brutnest in der Tiefe zu begrenzen. Die T120 ist so ein Beispiel. Auch die Abschlussscheiben in den heute unpopulären Hinterbehandlungsbeuten (Normbeute 52, aber auch Gerstung-Beute etc.) sind im Prinzip Absperrschiede.

- rel. unbekannt in D - dabei aber wohl mit das älteste Schied (?) - ist das Strohschied (oder auch weniger ökologisch Isolier-Trennschied). Bei unseren Nachbarnimkern in Polen, Ungarn, Russland etc. ist es in deren Beuten ein fester Bestandteil zur Optimierung des Wärmehaushaltes ihrer Bienen im Winter (in diesen Ländern wird noch viel in isolierten Trogbeuten geimkert). Auch die Mellifera-Einraumbeuten-Imker haben es wieder für sich entdeckt, da es im Gegensatz zum Absperrschied eine isolierende Wirkung hat und den im Winter unbesetzten Teil der Beute vor Kondenzfeuchtigkeit schützt.

Für unsere Zwecke sind aber meist nur die beiden ersteren Interessant.

Aber was kann ich mit einem Schied jetzt erreichen?

a) ich kann mit einem Abtrennschied Bienen aus gewissen Bereichen einer Beute raushalten.
b) ich kann die Legeleistung einer Königin auf ausgewählte Waben beschränken, den Arbeiterinnen aber den Zugang zu anderen/weiteren Bereich gewähren.
c) ich kann auf den Wärmehaushalt unserer Sonnenkinder (Zitat F. Gerstung) ggf. positiv einwirken und Unzulänglichkeiten unserer modernen Bienenkisten ausgleichen.

Aber warum das Ganze?

Beschränke ich die Legeleistung einer Königin auf einige Waben eines Nestes, kann ich die anderen Waben z.B. aussortieren; es hilft mir also bei der Wabenhygiene und beim Aussortieren zuckerhaltiger Futterwaben vor der Tracht, so dass nicht versehentlich Zuckersirup mit in den Honig kommt.
Ferner kann ich das Bienennest so beschränken, dass die Nestgröße in etwa der Legeleistung der Königin entspricht. Es bleibt also weniger Platz für Pollen und Honig. Das kann man dann so sehen, dass der Imker seinen Anteil Honid zu Lasten des Bienenvolkes steigert! Das ist eine Sichtweise. Man kann aber auch danach schauen, was so ein "enges" Brutnest für eine Wirkung auf die Bienen hat. Die holde Wissenschaft hat dabei die Beobachtungen der Imkerschaft bestätigt.

Das Schieden auf die Legeleistung der Königin ermöglicht es der Königin ihrem Legegang ungehindert nachzugehen. Weniger Störungen des Legeganges -> geringere Schwarmneigung.
Es vermessert die Versorungssituation der Brut mit Wärme und Futtersaft - in der Folge werden die Jungbienen langlebiger. Werden die Bienen langlebiger (sterben also nicht so früh), gibt es mehr Bienen im Stock (Legeleistung und Alter sind die beiden Hebel, mit denen die Populationsstärke ausgependelt wird) Mehr Bienen im Stock, damit mehr Sammlerinnen, desto mehr Honig ;-)
Es werden aufgrund der kurzen Wege im Nest auch weniger Bienen mit der Brutpflege beschäftigt (ohne die Pflegeleistung herabzusetzten, ganz im Gegenteil). Damit werden wieder Bienen frei, die z.B. beim Honigtrocknen oder beim Waben bauen mithelfen können.

Mit Wärmeschieden kann ich die fehlende Isolationswirkung der Außenwände vielen moderner Bienenwohnungen kompensieren, auch das entlastet wieder Bienen - und reduziert Pollenbretter am Nestrand.
Ich ermögliche es dem Bien ferner sich im frühen Frühjahr mit mehr Bienen der Brutpflege zu widmen, da weniger Bienen mit der Temperierung des (noch kleinen) Brutnestes benötigt nötig werden. So kann ich meinen Bienen einen Entwicklungsvorsprung ermöglichen, auf dass die Frühtracht überhaupt bzw. besser genutzt werden kann.

Die Schiede sind also ein Werkzeug des Imkers, mit dem er die Entwicklung des Biens in Maßen steuern kann. Wird dieses Werkzeug nicht, oder falsch eingesetzt, kommt es nicht zu oben beschriebenen Effekten - was aber nicht zwangsläufig schlimm ist. Haben meine Bienen keine Frühtracht im Flugfeld, bringt eine rasche Entwicklung zu Jahresbeginn nichts außer frühe Schwärme. Entnehme ich im Zuge einer Totalen Brutentnahme zur Varroa-Behandlung meinen Bienen standardmäßig alle alten Waben, braucht es keine Sortierfunktion im Frühjahr. Und kann ich meine Honigräume nicht versetzt über das angepasste Brutnest setzten, werden die Honigräume meist nur ungleichmäßig angenommen, so dass der mögliche Honigfluss ggf. auch geringer als möglich ausfällt.
Imkern ist aber KEINE Magazinimkerei, das muss man sich bewusst machen. Nicht dass Magazinimkerei schlecht wäre, imkern im angepassten Brutraum ist aber anders!

Zum Zeitpunkt: Schieden stört, wie jeder Eingriff des Imkers, unsere Bienen! Die Frage ist aber daher nur, wann störe ich am wenigsten bzw. am nachhaltigsten?
Die Altvorderen hielten frühes Stören für per se schlecht. Vor der Stachelbeerblüte solle man die Bienen nicht anrühren!
Aber was ist zur Stachelbeerblüte? Es läuft die Durchlenzung auf Hochtouren! Der Bien gibt nochmal richtig Gas, um in den nächsten Wochen die maximale Volksstärke des Bienenjahres zu erreichen. Eine minimale Anzahl Bienen pflegt jetzt eine maximale Anzahl Brut. Ergo - eine Störung jetzt streßt dem Bien maximal, fordert es doch eine maximale Kompensation des Stockklimas!
Dahingegen ist eine frühe Störung zwar klimatisch aufgrund der Temperaturen misslich (keine Frage), die Winterbienen sind aber noch rel. jung und unverbraucht von der Brutpflege. Auch gibt es noch kaum ein Brutnest Anfang Februar - eine Störung erfordert also kaum aufwändige Klimatisierung. Und danach wird bei Einsatz von Thermoschieden die Klimatisierung deutlich einfacher.

LG

Arne


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2 Jahre 8 Monate her #365 von waldimker
waldimker antwortete auf Warum Schieden?
@Nikkiklaus:
Vielen Dank für Deine Zusammenstellung.
In einem Punkt muss ich Dir allerdings widersprechen: Das unisolierte Schied und das isolierte Schied haben vielmehr Gemeinsamkeiten als "ein Schied" und "kein Schied". Zu sagen, das unisolierte habe (fast) keinen Einfluss auf die Bienen ist schlichtweg irreführend und würde dem einen oder andern Anfänger eine Schieflage in der Sicht auf das Schieden geben.

Honig und Pollen aus dem Brutnest herauszuhalten ist .... sicherlich in manchen Trachtgebieten und Situationen sehr gut. Ich hab das auch so praktiziert. Hab aber gemerkt: Ich BRAUCHE Pollen und BLÜTENhonig aus der Frühtracht im Sommer während der Waldtracht. Insofern ... wenn ich meine 9-Waben-Dadant anschaue hätte ich gern von außen her gesehen - grob vereinfacht: beidseitig je eine Futterwabe, eine Pollenwabe und fünf Brutwaben. Drohnenbau am liebsten unter den Rähmchen, aber das ist Geschmacksache.
Das mag nun ein Extrem sein, ich werds auch mit 7 Waben versuchen, ob das schon reicht. Für diejenigen unter uns, die mit Waldtracht imkern, vllt. eine Überlegung wert. Sonst stehen die Bienen in der Schafskälte und dann is mal um mit Brüten.

Das Trennschied - davon hab ich gefühlt rauhe Mengen - ist tatsächlich aus speziellen Kästen wie Vierer"böden" u.dgl. nicht wegzudenken.

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2 Jahre 8 Monate her #366 von RostH
RostH antwortete auf Warum Schieden?
Schöner Beitrag, Arne - vielen Dank!

Ob isoliertes Schied oder nicht isoliertes Brett - es bildet anfangs zumindest einen begrenzten Brutraum. Das hat mehrere Vorteile:
Wärmesteuerung - ist aufgrund der Limitierung auf einen Bereich sinnvoll.

Grundsätzlich sind die Bienen auch ohne Schied in der Lage, einen bestimmten Bereich zu besetzen und zu erwärmen. Dieser wird aus meinen Beobachtungen jedoch über eine größere Anzahl Waben gebildet, als ohne Schied. Hintergrund mag die instinktive Erhaltung eines optimalen Brutnestanordnung - so wie Gerstung es schön beschrieben hat - mit Brut / Pollen / Futter sein. Insofern "stört" das Schied anfangs wenig, lässt Raum für diese "Idealanordnung". Später im Verlauf der Durchlenzung, wenn das Brutnest an die Wabenkanten stößt, bleibt nur die Vergrößerung des BN in die geometrisch vorgegebene Form (Quader). Dabei ist die optimale Wärmeverteilung noch immer gewährleistet.

Für ebenso wichtig wie die Wärmeoptimierung halte ich die Einschätzung der maximalen Legekapazität der Königin. Wenn man das Schied frühzeitig so setzt, dass die Maximalkapazität (, die naturgemäß erst im Mai/Juni eintritt) von Anfang an vollständig "abgebildet" wird, muss zwangsläufig die Wärmeoptimierung darunter leiden, da zu viel Platz belassen wird. Starke Völker gleichen das aus.

Grundsätzlich ist ein kleinerer Bereich jedoch besser zu erwärmen, d.h., Schied frühzeitig und eng setzen. Eine Königin mit hoher Legekapazität legt dann auch in die FW hinter dem Schied. Dann - im April - kann man regulierend eingreifen.

Ich habe z.B. eine "blaue" Bf-Königin, die letztjährig ein Brutnest auf 8 BW + DR (DNM1,5 = 3000 Eier / Tag !) Brutwaben permantent bestiftet hat, nachdem ich das Schied nach der 5. BW platziert habe. Dieses Jahr sitzt das Schied nach der 6. Wabe - kann sie ja wieder ignorieren.....

Beste Grüße

Rainer

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2 Jahre 8 Monate her - 2 Jahre 8 Monate her #369 von Nikkiklaus
Nikkiklaus antwortete auf Warum Schieden?
Hallo Waldimker,

waldimker schrieb: In einem Punkt muss ich Dir allerdings widersprechen: Das unisolierte Schied und das isolierte Schied haben vielmehr Gemeinsamkeiten als "ein Schied" und "kein Schied". Zu sagen, das unisolierte habe (fast) keinen Einfluss auf die Bienen ist schlichtweg irreführend und würde dem einen oder andern Anfänger eine Schieflage in der Sicht auf das Schieden geben.


danke für den Hinweis - so wie ich es geschrieben habe, ist es nicht eindeutig. Aber nur durch das Aufschreiben merkt man, wie genau die eigene Argumentationskette ist, bzw. wo man nachbessern muss. :-)
In der Tat, isoliertes und unisoliertes Schied haben viele Gemeinsamkeiten. Sie haben haber eben auch spezifische Eigenheiten, die beiden eine Darseinsberechtigung gibt. Da beide Schiede aber von den Arbeiterinnen umlaufen werden können, hat es auf diese selbst zunächst mal keine so große Wirkung. Daher meine Aussage. Ist ja von der Sache wie eine leere Wabe ("gibt nichts zu holen, durchgehen kann man auch nicht, aber dahinter geht es weiter"). Die Wirkung kommt daher, dass es für die Königin das Ende des Brutnestes signalisieren kann. Damit kann Imkerlein also deren Legekreise steuern, woraus wieder eine Wirkung auf die Arbeiterinnen resultieren kann.

waldimker schrieb: Honig und Pollen aus dem Brutnest herauszuhalten ist .... sicherlich in manchen Trachtgebieten und Situationen sehr gut. Ich hab das auch so praktiziert. Hab aber gemerkt: Ich BRAUCHE Pollen und BLÜTENhonig aus der Frühtracht im Sommer während der Waldtracht. Insofern ... wenn ich meine 9-Waben-Dadant anschaue hätte ich gern von außen her gesehen - grob vereinfacht: beidseitig je eine Futterwabe, eine Pollenwabe und fünf Brutwaben. Drohnenbau am liebsten unter den Rähmchen, aber das ist Geschmacksache.


Ich bin da mal vorsichtig, da ich keine Erfahrung mit der Waldtracht habe. Aber: ein Bienenvolk braucht in den ca. 7 Monaten seiner Hauptaktivität (Mitte März - Mitte Oktober) ca. 35 - 50 kg Pollen. Das sind 5-7 kg pro Monat. In den lächerlichen Pollenkränzen oder auf ein oder zwei Pollenwaben kriegst du die nicht drauf. Die können helfen, keine Frage, aber aus der Ferne halte ich deinen Denkansatz mit dem größeren Brutnest für nicht zielführend, da im Endeffekt die Aufzucht der Bienen durch das größere Nest leidet (eben kein angepasster Brutraum) und die Jungbienen insgesamt doch eher über den Fettkörper der älteren Bienen aufgezogen werden (oder über ergänzende Läppertracht!?). Dazu kommen noch die unerwünschten Honigeinlagerungen im Brutnest.
Zielführender hielte ich so aus der Ferne eher sehr enges Schieden (um den Waldhonig über Kopf abzulagern) und Pergafütterung zur Jungbienenaufzucht. Hierzu ggf. eigene Völker in einer Blütentracht aufbauen & halten. Schon mal probiert?

P.S. Hier lasse ich mich gerne korrigieren, wie gesagt, das sind Hirngespinste.

LG

Arne


Letzte Änderung: 2 Jahre 8 Monate her von Nikkiklaus.

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2 Jahre 8 Monate her - 2 Jahre 8 Monate her #370 von Nikkiklaus
Nikkiklaus antwortete auf Warum Schieden?
Danke Rainer,

RostH schrieb: Für ebenso wichtig wie die Wärmeoptimierung halte ich die Einschätzung der maximalen Legekapazität der Königin. Wenn man das Schied frühzeitig so setzt, dass die Maximalkapazität (, die naturgemäß erst im Mai/Juni eintritt) von Anfang an vollständig "abgebildet" wird, muss zwangsläufig die Wärmeoptimierung darunter leiden, da zu viel Platz belassen wird. Starke Völker gleichen das aus.

Grundsätzlich ist ein kleinerer Bereich jedoch besser zu erwärmen, d.h., Schied frühzeitig und eng setzen.


das ist in der Tat noch ein sehr wichtiger Punkt. Merci.

RostH schrieb: Ich habe z.B. eine "blaue" Bf-Königin, die letztjährig ein Brutnest auf 8 BW + DR (DNM1,5 = 3000 Eier / Tag !) Brutwaben permantent bestiftet hat, nachdem ich das Schied nach der 5. BW platziert habe.


Hmmm, das kann ich mir gerade nicht so recht vorstellen, du hast auf 5 Waben geschiedet, drei Futterwaben drin gelassen, und als die Kö auf Hochtouren Eier gelegt hat hast du das Nest nicht erweitert, sondern die Futterwaben bestiften lassen? Waren die nicht voll? Oder habe ich dich missverstanden?

Und nur mal so ein Gedanke am Rande. Was bindet so ein Nest an Pflegebienen, die dann nicht sammeln können! Und was verbraucht so ein Nest an Pollen und Honig! Kam da überhaupt was bei rum für dich, oder hat dieses Volk den Ertrag gleich wieder aufgezehrt?

LG

Arne


Letzte Änderung: 2 Jahre 8 Monate her von Nikkiklaus.

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2 Jahre 8 Monate her #374 von beutenkarl.de
bin mir an einer stelle gerade unsicher, habe vorgestern geschiedet und konsequenterweise die eine wabe mit brut zwischen die thermoschiede gesetzt, futter darum verteilt, nun ist es doch aber so das sich bienen vornehmlich in den wabengassen aufhalten - oder? folglich keine zur verfügung haben außer man rechnet die oberfläche des thermoschiedes mit. was meint ihr? besser eine wabe schieden oder zwei mit einer wabengasse dazwischen für die erste brut?

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