Varroa und kein Ende

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3 Jahre 1 Woche her - 3 Jahre 1 Woche her #10 von Jürgen Binder
"Durch die spontane Invasion der Varroamilbe entstand im gesamten Mitteleuropäischen Raum eine neue Situation. Die große Angst überfiel die Imker und die Reaktion war für unser Machbarkeitszeitalter typisch: Medikamentensucht und Vernichtungsstrategie. Das Bienenvolk wurde zur Nebensache, alles konzentrierte sich auf den Parasiten. Die ganze Fachwelt wurde herausgefordert. Mittlerweile könnte man eine ganze Bibliothek widerspruchsgeladener Literatur füllen. Ich wandte mich dem Bienenvolk zu, überprüfte festgefahrene Arbeitsmethoden und versuchte, mehr Einblick in angeborene Entwicklungsabläufe zu gewinnen. Die durch die Varroamilbe verursachten Verluste machten Betreuungsfehler transparent. (Zitiert aus: Josef Bretschko, Naturgemäße Bienenzucht, 1985.)

Wo sind wir heute, dreißig Jahre später, angekommen.

L'apicoltura è una professione nobile
Letzte Änderung: 3 Jahre 1 Woche her von Jürgen Binder.

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3 Jahre 1 Woche her #35 von Nikkiklaus
Wir haben den genetischen Flaschenhals der Biene weiter zugezogen (lt. Prof. Bienefeld 3% Inzucht im Mittel in der deutschen Zucht-Carnica-Population) und lassen auf Teufel komm' raus nicht mehr sterben. Wie sagte Wolfgang Golz schon vor Jahren: "Der Einsatz von Behandlungsmitteln ist der beste Weg die Gesundheit der Biene zu - verringern".

LG

Arne

P.S. schön, dass noch jemand Josef Bretschko kennt und ließt.


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3 Jahre 1 Woche her #43 von Baumann
Baumann antwortete auf Varroa und kein Ende
Die Biene musste sich ja erst in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum Ihrer Entwicklungsgeschichte mit der Varroa auseinander setzen. Hab mal gehört, dass sie in ihrem DNA-Strang noch keine Gene zur Strategie dagegen entwickeln konnte. Und ist es nicht so, dass wir mit den Behandlungen und Medikamenten genau die stärksten Varroamilben selektieren, die dann überleben und sich weiter vermehren? Die Milbe sitzt da scheinbar am längeren Ast? gübelnachdenk

LG
Helgabiene

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3 Jahre 1 Woche her #46 von Nikkiklaus
Hallo Helga,

aber ist es nötig, dass unsere Bienen sich über weitere millionen Jahre an die Varroamilbe anpassen? Die Praktiker verneinen das.

Du hast sicher recht, dass sich die Milbe mit jedem Schritt in Richtung Toleranzzucht der Biene mit anpasst - immerhin ist die Vermehrungsrate der Milbe größer als die der Biene. Die Milben werden offenkundig im Rückblick auf 40 Jahre Varroabehandlung immer besser mit unseren Behandlungsstrategien fertig. Anfangs reichte ja eine Winterbehandlung aus, dann kam eine Sommerbehandlung dazu, dann flankierende biotechnische Maßnahmen (Drohnenbrut schneiden). Als Ultimo wird ja derzeit vermehrt die (erzwungene) Brutpause propagiert - als ultimatives Mittel der Milbe zu Leibe zu rücken. Stellt sich mir dann aber die Frage - was kommt danach? Was machen wir, wenn das auch nicht mehr reicht?

Seit über zehn Jahren bemüht sich die AGT um varroatolerante Bienen - bisher ohne Erfolg - wobei ich nicht sagen möchte, dass das schlechte Bienen sind.

Die Buckfastler (Paul Jungels, bzw. Buckfast Bayern) versuchen es jetzt über Zucht - schau'n wir mal, was daraus wird. Ich drücke die Daumen, bin aber skeptisch.

Dabei scheint es schon varroatolerante Bienen zu geben. Der Josef Koller behandelt schon lange nicht mehr. In Wales soll es auch eine Gruppe Imker geben, die gut ohne Varroazide auskommen. Auf Gotland haben einige Völker den Überlebenstest der Bieneninstitute überlebt - die werden heute von einem schwedischen Imker betreut - ohne Behandlung. Auch aus Frankreich kennt man Populationen, die nicht sterben wollen (als Population, nicht als individuelles Volk!) und aus Holland gibt es auch erste Infos.
"Unsere" Biene kann also schon - aber nicht jedes Volk kann! Immerhin haben wir jetzt 40 Jahre lang nicht mehr sterben lassen, sondern gepampert und gepampert..... Da sind offenkundig viele Bienen in unseren Kisten, deren Urgroßeltern eigentlich schon hätten hinweggerafft werden sollen!
Und nur mal ein Denkanstoß zum Ende dieser Zeilen: allen oben genannten Vorkommen (es gibt noch mehr, auch in D) ist eins gemein. Um es mit Paul Jungels zu sagen - der nächste Bienenzüchter ist weit weg!

P.S. Bitte nicht missverstehen, behandel deine Völker! Wer nicht mehr behandelt, erntet als erstes mal leere Kisten und die Imkernachbarn erben die Varroen!
Es scheint mir aber so, das eine lokal angepassten Biene so einiges leisten kann. Und wir Imker müssen m.E. vielmehr auf Völker achten (und von denen Vermehren), die besser mit der Milbe zurecht kommen. Das könnte ein Teilschritt sein?

LG

Arne


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3 Jahre 1 Woche her #49 von Rudolf Gerber
Hallo Arne

Der entscheidende Satz für mich in Deinem Aufsatz ist:

" die nächsten Bienen (Imker) sind weit weg"

Wenn diese Grundvoraussetzung erfüllt ist, kannst Du mit der Zucht und Selektion beginnen.
Es nützt nicht viel, wenn Deine Bienen bis Ende August milbenfrei sind und im September den milbengeschwächten Nachbarn aufsaugen.

Lg Rudolf

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3 Jahre 1 Woche her #55 von Nikkiklaus
Hallo Rudolf,

sorry dass ich dich korrigiere, aber ich schrieb " der nächste Züchter ist weit weg", nicht "der nächste Imker"! Diese Feinheit scheint mir wichtig zu sein.
Die Biene hat seit Millionen Jahren überlebt, weil sie sich auf ihre Art und Weise mit den Widrigkeiten der Natur auseinander gesetzt hat und sich anpassen konnte. Dies hat sie hingekriegt, weil sie in Ihrer Fortpflanzung höchsten Wert auf genetische Diversität gelegt hat - wozu sonst die vielen haploiden Drohne? Erfolgreiche Kolonien haben sich gegenüber weniger Erfolgreichen durchgesetzt - was sowohl auf Anpassungsreaktionen auf Ebene der Einzelbiene, auf Anpassungen auf Volksebene als auch auf Populationsebene beruht. Dabei war mäßiges regionales Vermehren von Bewährtem die Strategie der Strategien.
An dieser Stelle grätscht nun der Mensch rein, und schränkt diese Art bienischer Freizügigkeit ein. Dabei hat er Erfolg - zumindest nach kurzfristigem menschlichem Ermessen scheint es so. Aber ob sich dieser "Erfolg" halten lässt? Ich weiß es nicht, aber wenn ich mir die Geschichte der Varroabehandlungsstrategien angucke, habe ich Zweifel.
Wenn du weiterhin von "Zucht" und "Selektion" sprichst, beginnst du genau in die Kerbe zu hacken, von der ich mir vorstellen könnte, dass es genau der falsche Weg ist ;-) Ich irre hier aber gern.
Wenn ich mir ferner die Berichte nichtbehandelnder Imker so durchlese, war es nie deren Ziel keine Milben mehr in den Völkern zu haben. Ich denke wir "Normalo-Imker" haben hier einfach falsche Vorstellungen. Ziel sollte es eher sein, die Milbe als gegeben hinzunehmen, d.h. auf Völker zu achten, denen die Anwesenheit der Milbe weniger ausmacht. Die gibt es, wenn man darauf achtet, sieht das jeder Imker mit mehr als einem Volk am Stand selbst. Weniger ausmachen heißt aber nicht zwangsläufig auch überleben - das weiß ich.
Und das es nicht mal so eben (ohne Plan, ohne Vorbereitung etc.) funktioniert ist allen klar - ich will da nichts beschönigen oder verklären. Nur sollten wird anfangen darüber nachzudenken, an welcher Stelle die Fehler stecken - auch bei uns Imkern selbst.
Wenn diese Diskussion in Gange kommt, prima. Einfach aufhören zu behandeln ist sinnlos - und die eigenen Milben an die Umgebung verteilen ist fahrlässig - da bin ich bei dir.

LG

Arne


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